Sanieren oder neu bauen? Der große Praxis-Check: Kosten, Zeit & Wertsteigerung im Vergleich
- 2026-04-03
Sanieren oder neu bauen? Der große Praxis-Check: Kosten, Zeit und Wertsteigerung im Vergleich
Viele Eigentümer stehen vor derselben Grundsatzfrage: Sanierung des Bestands oder Neubau auf dem Grundstück – was zahlt sich langfristig mehr aus? Gerade wenn Heizung, Dach, Fassade und Fenster in die Jahre gekommen sind, stellt sich die Frage neu. Dieser Beitrag liefert einen umfassenden, praxisnahen Vergleich mit Zahlen, Zeitplänen, Risiken, Fördermöglichkeiten und konkreten Rechenbeispielen. Außerdem erhalten Sie eine klare Checkliste für die Entscheidung Renovierung oder Neubau – was sich mehr lohnt.
Warum diese Entscheidung so komplex ist
Ob Sanierung oder Neubau: Beide Wege haben unterschiedliche Kostenstrukturen, Zeitabläufe, Genehmigungsprozesse und Auswirkungen auf Energiebedarf und Wiederverkaufswert. Die vermeintlich einfache Frage Renovierung oder Neubau-was sich mehr lohnt lässt sich deshalb nur im Kontext Ihrer Ziele, des Grundstücks, der Bausubstanz und der Marktbedingungen beantworten. Wer ganzheitlich denkt, betrachtet nicht nur die Investition heute, sondern auch die Lebenszykluskosten, die Nutzungsqualität und die Flexibilität für zukünftige Anforderungen.
Kostenvergleich im Detail
Die reinen Baukosten sind nur der Anfang. Ebenso zählen Planung, Genehmigungen, Nebenkosten, Risiken, Zwischenfinanzierung, Förderungen, Betriebskosten und Restwert.
Investitionskosten Sanierung: Posten und Spannen
Die Bandbreite der Sanierungskosten ist groß, da Zustand, Baujahr, Grundriss und Zielstandard stark variieren. Typische Kostentreiber sind:
- Energieeffizienzpaket: Dämmung Fassade/Dach, neue Fenster, Luftdichtheit, ggf. Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.
- Haustechnik: Wärmepumpe oder andere Heizung, Hydraulik, Warmwasser, elektrische Leitungen, Zählerschrank, Smart-Home-Vorbereitung.
- Innenausbau: Bäder, Küche, Boden, Putz, Malerarbeiten, Innentüren.
- Statik und Feuchte: Tragwerk, Kellerabdichtung, Balkone, ggf. Schadstoffsanierung.
Grobe Orientierungswerte je nach Umfang:
- Teilsanierung ohne Eingriff in Statik: ca. 400–800 EUR/m² BGF
- Hüll- und Technikpaket (energetisch ambitioniert): ca. 900–1.600 EUR/m² BGF
- Umfassende Kernsanierung bis nahe Neubaustandard: ca. 1.400–2.400 EUR/m² BGF
Hinzu kommen Nebenkosten wie Planung, Energieberatung, Gutachten, Baustelleneinrichtung und Puffer für Unvorhergesehenes. Je älter das Gebäude, desto wichtiger ist ein Risikobudget von 10–20 Prozent, da verdeckte Mängel (Feuchte, Hausschwamm, asbesthaltige Baustoffe) die Kalkulation sprengen können.
Investitionskosten Neubau: Struktur und Kostentreiber
Beim Neubau sind Kosten planbarer, aber die absolute Summe ist meist höher, gerade bei gestiegenen Material- und Lohnpreisen. Typische Kostengruppen:
- Rohbau und Konstruktion: Erdarbeiten, Bodenplatte/Keller, Mauerwerk oder Holzbau, Decken, Dach.
- Fassade, Fenster, Dachdeckung: Hülle mit hoher Effizienz.
- Haustechnik: Wärmepumpe, Flächenheizung, Lüftung, Sanitär, Elektro, PV-Vorbereitung oder Anlage.
- Innenausbau: Estrich, Boden, Maler, Küche, Bäder, Innentüren.
- Außenanlagen: Wege, Terrasse, Stellplätze, Einfriedung.
Je nach Standard, Bauweise und Region liegen Richtwerte bei:
- Schlüsselfertiger Neubau EFH: ca. 2.200–3.500 EUR/m² BGF
- Gehobener Standard mit PV, hochwertigem Ausbau: ca. 3.200–4.500 EUR/m² BGF
Auch hier gilt: Nebenkosten wie Planung, Bauantrag, Statik, Vermessung, Genehmigungen, Hausanschlüsse, Baugrundgutachten, Baubegleitende Qualitätssicherung, sowie Puffer von 5–10 Prozent einplanen.
Versteckte Kosten und Risikopuffer
- Sanierung: Überraschungen im Bestand, Schadstoffe, nicht normgerechte Altinstallationen, Feuchteschäden, statische Nachrüstungen.
- Neubau: Baugrundrisiken, Preissteigerungen während der Bauzeit, Verzögerungen durch Lieferketten, Zusatzausstattung, Außenanlagen.
Praxis-Tipp: Vor der Entscheidung unbedingt eine zustandsbezogene Kostenschätzung erstellen lassen, z. B. durch Architekt plus Energieberatung mit Vor-Ort-Begehung und Öffnungen an kritischen Stellen. So vermeiden Sie Illusionen im Sinne von Renovierung oder Neubau – was sich mehr lohnt.
Förderungen und Steuern
In Deutschland existieren Förderprogramme für energieeffiziente Gebäude, u. a. im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude. Je nach Maßnahme sind Zuschüsse oder zinsgünstige Kredite möglich. Bei Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle oder Heizung kann alternativ eine steuerliche Förderung energetischer Sanierungen in Anspruch genommen werden, sofern nicht bereits Zuschüsse genutzt werden. Zusätzlich bieten manche Bundesländer und Kommunen regionale Förderungen an. Da Programme und Konditionen sich regelmäßig ändern, sollten Sie vor Projektstart die aktuellen Richtlinien prüfen und eine qualifizierte Energieberatung einbinden.
Betriebskosten und Lebenszyklus
Neben der Erstinvestition zählen Energiebedarf, Wartung, Instandhaltung und Modernisierungszyklen. Neubauten erreichen häufiger sehr gute Effizienzstandards, was Betriebskosten reduziert. Sanierungen können ähnliche Niveaus erreichen, wenn Hülle und Technik konsequent ertüchtigt werden. Lebenszykluskosten über 20–30 Jahre entscheiden maßgeblich darüber, ob Renovierung oder Neubau-was sich mehr lohnt.
Zeit und Ablauf: Wie lange dauert was?
Zeit ist ein zentraler Faktor: Bauzeiten beeinflussen Zwischenfinanzierung, Miete für Übergangswohnungen und persönliche Lebensplanung.
Sanierungsdauer
- Planung und Genehmigung: 2–6 Monate (je nach Eingriffsgrad, Denkmalschutz, Handwerkerverfügbarkeit).
- Ausführung: 3–12 Monate (Teilsanierung schneller, Kernsanierung länger).
- Gesamt: 6–18 Monate.
Vorteil: Teilweise ist Weiterwohnen möglich, oder es sind kürzere Auszugszeiten nötig. Nachteil: Bau im Bestand ist logistisch anspruchsvoller, Überraschungen kosten Zeit.
Neubaudauer
- Planung, Entwurf, Genehmigung: 4–9 Monate (abhängig von Baurecht und Kapazitäten der Behörden).
- Bauzeit: 7–14 Monate (Bauweise, Jahreszeit, Lieferketten).
- Gesamt: 12–24 Monate.
Vorteil: Strukturierter Bauablauf und klarer technischer Standard. Nachteil: Interimswohnen ist praktisch immer erforderlich.
Genehmigungen und Planungstiefe
Bei Sanierungen genügt oft eine Bauanzeige oder sind einzelne Maßnahmen genehmigungsfrei. Eingriffe in Statik, Denkmalschutz, Nutzungsänderungen oder signifikante Fassadenänderungen erfordern jedoch eine Baugenehmigung. Neubauten benötigen in aller Regel volle Genehmigungsplanung. In beiden Fällen gilt: Gute Ausführungsplanung spart Zeit und Geld auf der Baustelle.
Nutzungsunterbrechung und Übergangslösungen
Sanierung kann phasenweise erfolgen, dennoch sind Eingriffe wie Bäder- und Heizungserneuerung mit Ausfallzeiten verbunden. Kalkulieren Sie Umzug, Lager, Zwischenmiete konsequent mit. Beim Neubau ist diese Position zwangsläufig einzuplanen.
Wertsteigerung und Markt
Der Wiederverkaufswert hängt nicht nur von der Wohnfläche und Optik ab, sondern von Effizienzklasse, Flexibilität des Grundrisses, Qualität der Ausführung und Lage.
Faktoren für die Wertentwicklung
- Energieeffizienz: Gute Klassen im Energieausweis und niedrige Betriebskosten erhöhen die Nachfrage.
- Grundrissqualität: Flexible, zeitgemäße Zimmergrößen, ausreichend Bäder, Homeoffice-Optionen.
- Technikstandard: Zukunftsfähige Heizung, PV, Ladeinfrastruktur, smarte Steuerungen.
- Gestaltung und Materialität: Langlebige, wertige Oberflächen.
- Lage: Mikro- und Makrolage bleiben die stärksten Preishebel.
Ein Neubau mit zeitgemäßer Technik erzielt oft hohe Marktpreise. Eine durchdachte Sanierung kann aber nahezu gleichziehen, vor allem bei Erhalt charmanter Bestandsqualitäten und Top-Lagen.
Energieausweis und Vermarktung
Die Energieklasse ist im Verkauf und bei Vermietung ein wichtiges Signal. Sanierte Gebäude, die zu guten Klassen aufrücken, gewinnen deutlich. Für die Abwägung Renovierung oder Neubau – was sich mehr lohnt spielt daher der Zielstandard eine zentrale Rolle.
Grundstücks- und Lagemarkt
In begehrten Lagen kann der Grundstückswert dominieren. Dann lohnt Neubau häufig, wenn die existierende Bausubstanz wirtschaftlich schwach ist. In weniger gefragten Lagen kann eine solide Sanierung mit moderaten Investitionen den besseren ROI erzielen.
Nachhaltigkeit und CO2-Bilanz
Neben Kosten und Zeit ist die ökologische Dimension entscheidend.
Graue Energie und Bestandserhalt
Der Erhalt von Tragwerk und Hülle spart graue Energie, die in Abriss und Neubau stecken würde. Sanierung punktet daher häufig bei der CO2-Bilanz in der Errichtungsphase, sofern die Bausubstanz geeignet ist.
Energie im Betrieb
Neubauten erreichen oft sehr niedrige Verbräuche. Sanierungen kommen nah heran, wenn Hülle und Technik konsequent ertüchtigt werden. Kombinationen aus Wärmepumpe, PV, Speicher und Lüftung mit Wärmerückgewinnung sind Schlüssel zur Betriebsoptimierung.
Zirkularität und Materialien
Wählen Sie rezyklierbare, emissionsarme Materialien, modular gedachte Aufbauten und vermeiden Sie unnötige Verbundkonstruktionen. Ob Sanierung oder Neubau – eine materialbewusste Planung zahlt langfristig auf Gesundheit, Werterhalt und Ökologie ein.
Bautechnik und Qualität
Qualität entscheidet über Komfort, Werthaltigkeit und Reparaturkosten.
Bestand: Stärken und Schwächen
- Vorteile: Massive Substanz, gute Raumhöhen, gewachsene Strukturen, Charme.
- Herausforderungen: Wärmebrücken, unzureichender Schallschutz, Feuchte, Denkmalschutzauflagen, begrenzte Flexibilität im Grundriss.
Eine kluge Sanierung adressiert Wärmebrücken, Dämmung, Fensteranschlüsse, Luftdichtheit und ggf. Schallschutz. Wichtig ist die Koordination der Gewerke, damit Details wie Anschlüsse und Abdichtungen funktionieren.
Neubau: Systematik und Zukunftsfähigkeit
- Vorteile: Planbare Details, höhere Effizienzstandards, flexible Grundrisse, barrierearme Lösungen.
- Herausforderungen: Höhere Anfangsinvestition, stärkere Abhängigkeit von Lieferketten, längere Zwischenmiete.
Techniken wie Holzbau, modulare Elemente und vorgefertigte Bauteile können Bauzeit und CO2-Fußabdruck senken. Eine baubegleitende Qualitätssicherung ist in beiden Fällen empfehlenswert.
Haustechnik sinnvoll planen
Ob Sanierung oder Neubau, die Technikstrategie sollte auf den energetischen Standard, das Nutzerverhalten und die Zukunftsanforderungen abgestimmt sein:
- Wärmeerzeugung: Wärmepumpe, ggf. Hybridlösungen, effiziente Wärmeverteilung (Fußboden- oder Wandheizung).
- Lüftung: Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung für Luftqualität und Feuchteschutz.
- Strom: Photovoltaik, Speicher, Ladeinfrastruktur.
- Regelung: Intelligente Steuerung, Monitoring, Lastmanagement.
Recht, Risiko und Organisation
Die beste Technik und Kalkulation helfen wenig, wenn rechtliche und organisatorische Fragen ungeklärt sind.
Baurecht und Genehmigungsfähigkeit
Prüfen Sie Bebauungsplan, Abstandsflächen, Geschossigkeit und etwaige Erhaltungs- oder Gestaltungssatzungen. Bei Sanierung mit Aufstockung oder signifikanter Fassadenänderung ist eine Genehmigung erforderlich. Im Neubau klärt eine bauvoranfrage, was zulässig ist.
Altlasten und Schadstoffe
Insbesondere bei Bestandsgebäuden: Asbest, PCB, PAK oder kontaminierter Baugrund führen zu Zusatzkosten. Eine Schadstofferkundung reduziert Risiken und schützt Bauzeit und Budget.
Vergabestrategie und Verträge
- Einzelvergabe: Hohe Steuerungsmöglichkeit, aber Koordinationsaufwand.
- Generalunternehmer: Ein Vertragspartner, klare Schnittstellen, tendenziell höhere Preise.
- Baubegleitung durch unabhängige Sachverständige erhöht Qualität und Rechtssicherheit.
Finanzierung und Budget
Die Wirtschaftlichkeit der Option Renovierung oder Neubau – was sich mehr lohnt, hängt stark von Zinsen, Eigenkapital und Tilgungsstrategie ab.
Eigenkapital, Zinsen, Tilgung
- Eigenkapitalquote: 20–30 Prozent reduziert Zinskosten und verbessert Konditionen.
- Zinsbindung: Lange Zinsbindungen schaffen Planungssicherheit bei größeren Bauvolumina.
- Tilgungsrate: 2–3 Prozent p. a. sind üblich; höhere Tilgung verkürzt Laufzeit und spart Zinsen.
Kalkulation mit Puffer
- Kostenrahmen definieren und in Haupt- und Nebenposten gliedern.
- Risikopuffer: Sanierung 10–20 Prozent, Neubau 5–10 Prozent.
- Liquiditätsplan für Abschlagszahlungen, Förderabrufe, Zwischenfinanzierung und temporäre Mieten.
Praxis: Zahlenbeispiele im Vergleich
Die folgenden Rechenbeispiele sind vereinfachte Orientierungen. Region, Standard, Ausführung und Marktverhältnisse können abweichen. Dennoch zeigen sie die Grundmechanik der Entscheidung Renovierung oder Neubau – was sich mehr lohnt.
Beispiel 1: Energetische Kernsanierung Einfamilienhaus 150 m², Baujahr 1975
- Ausgangslage: Mangelhafte Dämmung, alte Öl- oder Gasheizung, einfach verglaste Fenster, veraltete Elektrik, Feuchte im Keller lokal.
- Ziel: Sehr gute Effizienzklasse, Wärmepumpe, PV, neue Lüftung, neue Bäder und Küche, angepasster Grundriss.
- Kosten grob: 1.600 EUR/m² x 150 m² = 240.000 EUR für Bauleistungen; Nebenkosten ca. 15 Prozent = 36.000 EUR; Puffer 15 Prozent = 36.000 EUR. Summe ca. 312.000 EUR.
- Energie: Reduktion Heizwärmebedarf um 60–80 Prozent, Betriebskosten sinken deutlich.
- Zeit: Planung 4–6 Monate, Bau 8–12 Monate.
- Wert: Steigerung durch Effizienz, moderne Grundrisse, Technik; Charme des Bestands bleibt erhalten.
Beispiel 2: Neubau Einfamilienhaus 150 m² auf gleichem Grundstück
- Ausgangslage: Abriss des Bestands erforderlich, Neuplanung, volle Genehmigung.
- Ziel: Sehr gute Effizienzklasse, flexible Grundrisse, barrierearm, Wärmepumpe, PV, smarte Haustechnik.
- Kosten grob: 2.900 EUR/m² x 150 m² = 435.000 EUR Baukosten; Nebenkosten 15 Prozent = 65.000 EUR; Puffer 8 Prozent = 35.000 EUR; Abriss 20.000–40.000 EUR je nach Schadstoffen. Summe ca. 555.000–575.000 EUR.
- Energie: Sehr niedrige Verbräuche, ideal für PV-Kopplung.
- Zeit: Planung 6–9 Monate, Bau 10–14 Monate.
- Wert: Hohe Marktfähigkeit durch Neubaustandard und flexible Nutzung.
Grobe Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
Bei ähnlicher Wohnfläche sind die Investitionskosten der Kernsanierung in diesem Beispiel ca. 35–45 Prozent niedriger als beim Neubau. Der Neubau bietet dafür maximale Planungsfreiheit, optimierte Grundrisse und potenziell etwas bessere Betriebskosten. Der Mehrwert des Neubaus rechtfertigt sich besonders dann, wenn
- die Bestandsqualität schlecht und risikobehaftet ist,
- die Lage einen höheren Neubaumarktpreis ermöglicht,
- barrierearme Nutzung und flexible Grundrisse Priorität haben,
- oder größere Flächenanforderungen nur über Neubau effizient lösbar sind.
Die Sanierung lohnt sich besonders, wenn
- die Bausubstanz solide ist und ohne teure statische Eingriffe auskommt,
- der Bestand architektonischen Charakter hat,
- Förderungen umfangreich genutzt werden,
- und Zwischenmietkosten gering gehalten werden können.
Weiche Faktoren: Lebensqualität und Identität
Auch jenseits der Zahlen gibt es starke Argumente:
- Sanierung: Erhalt von Geschichte, gewachsenen Räumen, Nachbarschaftsgefüge; weniger Baustellenemissionen.
- Neubau: Maßgeschneiderte Räume, Barrierefreiheit, klare Haustechnik, langfristige Anpassungsfähigkeit.
Diese Aspekte fließen indirekt in den Wert ein, etwa über bessere Vermarktbarkeit oder höhere persönliche Zufriedenheit.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
- Nur auf Erstkosten schauen statt Lebenszykluskosten zu berücksichtigen.
- Unzureichende Bestandsanalyse mit fehlenden Öffnungen und Gutachten.
- Zu niedrige Puffer bei Sanierungen.
- Fehlende Baubegleitung und Qualitätskontrolle in kritischen Phasen.
- Unklare Ziele hinsichtlich Effizienz, Raumprogramm und Zukunftsfähigkeit.
Entscheidungs-Checkliste: Renovierung oder Neubau – was sich mehr lohnt
Mit den folgenden Fragen gewinnen Sie Klarheit. Je mehr Punkte pro Option erfüllt sind, desto eher ist sie wirtschaftlich und strategisch sinnvoll.
Bausubstanz und Technik
- Ist das Tragwerk intakt und ohne große Eingriffe nutzbar?
- Sind keine oder beherrschbare Schadstoffe vorhanden?
- Lassen sich Hülle und Technik auf einen effizienten Standard bringen?
Grundriss und Nutzung
- Erfüllt der Bestand Ihre Raum- und Barrierefreiheitswünsche mit moderatem Aufwand?
- Ist eine flexible Nutzung für kommende Jahrzehnte möglich?
- Benötigen Sie deutlich mehr Fläche, als wirtschaftlich sanierbar ist?
Wirtschaftlichkeit
- Sind die Gesamtkosten inklusive Nebenkosten, Puffer und Zwischenmiete realistisch kalkuliert?
- Wie wirken Förderungen auf beide Optionen?
- Wie entwickeln sich Betriebskosten und Instandhaltung über 20–30 Jahre?
Zeit und Risiko
- Wie wichtig ist ein kurzer Realisierungshorizont?
- Ist Interimswohnen praktikabel und bezahlbar?
- Welche Risiken sind projekt- und standortspezifisch dominierend?
Markt und Wert
- Wie stark honoriert der lokale Markt Neubauten vs. sanierte Bestände?
- Passt die Option zur Mikro- und Makrolage?
- Welche Energieklasse ist realistisch erreichbar, und wie wirkt sie auf den Wiederverkaufswert?
Strategien zur Entscheidungsvorbereitung
- Variantenstudie: Zwei bis drei realistische Entwurfs- und Kostenvarianten mit identischem Raumprogramm vergleichen.
- Energetische Simulation: Betriebskosten und CO2-Bilanz je Variante bewerten.
- Marktcheck: Vergleichswerte für Verkauf und Vermietung in der Lage recherchieren.
- Förderberatung: Aktuelle Programme, Förderquoten und Kumulierbarkeit prüfen.
- Risikoworkshop: Projektrisiken identifizieren, Eintrittswahrscheinlichkeiten und Kosten bewerten, Puffer festlegen.
Pro und Kontra im kompakten Überblick
Sanierung
- Pro: Geringere Investitionskosten, Erhalt grauer Energie, Charme und Identität, oft kürzere Gesamtzeit, mögliche Weiterbewohnbarkeit.
- Kontra: Unwägbarkeiten im Bestand, Grundrisslimits, denkmal- oder nachbarrechtliche Restriktionen, komplexe Baustellenlogistik.
Neubau
- Pro: Maximale Planungsfreiheit, sehr hoher Effizienzstandard, flexible Grundrisse, barrierearm, klare Gewährleistungsketten.
- Kontra: Höhere Anfangsinvestition, Abriss- und Zwischenmietkosten, längere Realisierungszeit, höhere Bindung an Genehmigungen.
Häufige Sonderfälle
Denkmalschutz
Sanierung kann trotz Auflagen lohnen, wenn großzügige Förderungen, steuerliche Abschreibungen bei Vermietung oder Premiumlagen die Mehrkosten abfedern. Neubau ist hier oft ausgeschlossen oder stark eingeschränkt.
Anbau, Aufstockung, Teilneubau
Hybride Lösungen vereinen Vorteile beider Welten: Bestand erhalten, wo es sich lohnt, und neu bauen, wo es Effizienz und Raumqualität verbessert.
Große strukturelle Mängel
Bei gravierenden statischen Defiziten, Durchfeuchtungen, massiven Schadstoffen oder völlig unpassenden Grundrissen ist Neubau häufig wirtschaftlicher und risikoärmer.
Praxis-Tipps zur Umsetzung
- Frühzeitig Fachleute einbinden: Architektur, Energieberatung, Tragwerksplanung, Bauphysik.
- Qualität sicherstellen: Baubegleitende Kontrollen, Druckproben zur Luftdichtheit, Thermografie, Abnahmen je Gewerk.
- Nachhaltigkeitsziele definieren: Effizienzstandard, PV-Anteil, Materialien, Rückbaubarkeit.
- Verträge klar regeln: Leistungsbeschreibungen, Fixpreise wo sinnvoll, Anreize für Termineinhaltung.
- Kommunikation: Wöchentliche Jour fixe, Protokolle, Änderungsmanagement.
Fazit: Wann Sanieren, wann neu bauen?
Die Frage Renovierung oder Neubau – was sich mehr lohnt hat keine Einheitsantwort. Tendenziell gilt:
- Sanierung lohnt sich, wenn die Substanz tragfähig ist, Effizienz und Grundrisse mit vertretbarem Aufwand modernisiert werden können, Förderungen greifen und die Lage den Charme eines Bestands schätzt.
- Neubau lohnt sich, wenn die Bausubstanz schwach ist, große Grundrissanpassungen nötig sind, hohe Effizienz- und Komfortziele verfolgt werden und der Markt Neubaustandards überdurchschnittlich honoriert.
Treffen Sie die Entscheidung datenbasiert: mit Variantenvergleich, seriöser Kostenschätzung, Fördercheck und Blick auf Lebenszykluskosten. So finden Sie sicher heraus, ob in Ihrem konkreten Fall Renovierung oder Neubau-was sich mehr lohnt.
Kurz-Check in 60 Sekunden
- Bestand statisch und bauphysikalisch fit? Punkt für Sanierung.
- Grundriss passt nicht und barrierearme Nutzung ist wichtig? Punkt für Neubau.
- Förderquote Sanierung höher als Neubau? Punkt für Sanierung.
- Zeit für Planung und Interimswohnen vorhanden? Punkt für Neubau.
- Ziel ist maximale Effizienz plus flexible Flächen? Punkt für Neubau.
- Ziel ist Kostenoptimierung bei solidem Ergebnis? Punkt für Sanierung.
Mit dieser Systematik wird der Praxis-Check zur tragfähigen Entscheidungsgrundlage – finanziell, zeitlich und strategisch.
